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RFID - Im täglichen Einsatz für Sehbehinderte

Ungelöste Probleme gab es bislang noch in der Organisation der materiellen Umgebung, sprich dem Umgang mit beliebigen Gegenständen.Das Identifizieren und Auffinden von Büchern, Schachteln, Kleidungsstücken, verschiedenen elektronischen Geräten, Medikamenten usw. war nur mit großem Zeitaufwand und unbefriedigend lösbar. Mit Tag It haben wir nun genau dieses Problem angepackt, wobei wir modernste RFID-Technik einsetzen.


Was ist die Lösung?

Braillezeilen, Großschriftsysteme und Sprachausgaben bieten Blinden und Sehbehinderten den wahrnehmungsphysiologischen Zugriff auf Daten.

Unsere modernen Informationssysteme auf Basis von askSam und KOMPAS, lösen das Problem der Organisation und Auffindbarkeit von Informationen und machen Arbeitsplatzausstattungen Blinder und Sehbehinderter damit wettbewerbsfähig.

Dass Geburtsblinde oder Späterblindete mit Hilfe der elektronischen Hilfsmittel ihren “Job machen", wie nicht Sehbehinderte ist glücklicherweise Normalität.

Ungelöste Probleme gab es bislang allerdings noch in der Organisation der materiellen Umgebung, sprich dem Umgang mit beliebigen Gegenständen.

Das Identifizieren und Auffinden von Büchern, Schachteln, Kleidungsstücken, verschiedenen elektronischen Geräten, Medikamenten usw. war nur mit großem Zeitaufwand und unbefriedigend lösbar. Mit Tag It haben wir nun genau dieses Problem angepackt, wobei wir modernste RFID-Technik einsetzen.

Kennen Sie die täglichen Probleme von Blinden und Sehbehinderten?

Lassen Sie mich zunächst aber die Ausgangsprobleme für den Fall schildern, dass Sie nicht sehbehindert oder blind sind und Sie diese Probleme daher nicht oder nur wenig kennen.

Sie mögen ein mehr oder weniger ordnungsliebender Mensch sein und sich mit mehr oder weniger vielen Objekten umgeben haben. Sie haben also vielleicht meterweise Regale mit Büchern, Zeitschriften, Kassetten und Videos.

Sie haben Fernbedienungen zu verschiedenen Geräten, Netzteile von elektrischen Haushaltsgeräten, von elektronischen Geräten wie Handies, Videokameras, Diktiergeräten usw.

In Schubladen haben Sie Zusatzteile von irgendwelchen Dingen, wie Fahrrädern, Kindersitzen, Küchenwaagen, Adapter usw. Auf Regalen oder Schränken haben Sie Schachteln deren Inhalt Sie vielleicht schon seit Jahrzehnten irgendwann sichten wollten.

Dass Sie in dieser mehr oder weniger gut Organisierten “Objektflut” noch nicht untergegangen sind, liegt einfach an der Fähigkeit des Gehirns Muster zu erkennen, und das blitzschnell. Diese Fähigkeit kommt in der Redewendung “das sticht ins Auge” zum Ausdruck.

Sie suchen ein Buch von Heinrich Böll und erinnern sich an den markanten gelben Umschlag. Auch in einem sehr großen Regal würden Sie das Buch schon nach kurzer Zeit finden. Sie suchen das Ladegerät eines Handies und können es blitzschnell von hunderten anderer Gegenstände unterscheiden und damit finden.

Ziehen Sie sich versuchsweise einmal ein nicht durchsehbares Stirnband so auf, dass es nicht die Stirn, sondern die Augen bedeckt oder binden Sie sich ein Tuch vor die Augen.

Probieren Sie dann einen Gegenstand in Ihrer Wohnung zu finden, von dem Sie nicht zufällig genau wissen, wo er sich befindet. Wenn Sie ein aufregendes AHA-Erlebnis haben wollen, machen Sie das tatsächlich einmal.

Es sollte am besten noch jemand dabei sein, der darauf achtet, dass Sie nicht Schaden anrichten, indem Sie z.B. an der Telefonschnur hängen bleiben und die teure Stehlampe im Aquarium taufen.

Suchen Sie dann ein bestimmtes Buch. Sie werden feststellen, dass es dicke, dünne, hohe und weniger hohe Bücher gibt, dass manche einen Einband haben während andere über diesen nicht verfügen. Manche fühlen sich rau an, während sich andere leicht biegen lassen.

Das Auffinden des bestimmten Buches wird Ihnen vermutlich nicht gelingen, aber Sie werden einen ungeheueren Erkenntnisgewinn haben. Sie werden sich wundern, wie ungeheur lange die Prozedur dauert und auf wie interessante andere Aspekte Sie stoßen.

Probieren Sie dann ein Netzteil für ein bestimmtes Gerät zu finden. Falls Sie zu den etwas ordentlicheren Menschen gehören, die bekanntlich zu faul zum suchen sind, müssen Sie nicht alle Regale und Schubladen abklappern, sondern können einigermaßen gezielt vorgehen.

Was aber, wenn Sie das Netzteil nicht zufällig anhand einer sehr markanten und Ihnen bekannten Form erkennen können? Sie werden auf sehende Hilfe angewiesen sein und das Tuch vor den Augen wegnehmen.

Wir haben es also mit zwei Schwierigkeiten zu tun:


Ohne zu sehen, können wir sehr viele Dinge nicht identifizieren.

Ohne zu sehen dauert das Suchen extrem lange, weil jeder Gegenstand der Reihe nach abgefühlt werden muss, während ein Sehender in Bruchteilen einer Sekunde eine Vielzahl von Gegenständen erfasst.

Das Identifikations- und Suchsystem Tag It löst diese zwei Probleme soweit wie möglich mit modernster Technik und vermindert die Abhängigkeit Blinder von sehender Hilfe enorm.

Wie löst TagIt die Herausforderungen? 

So funktioniert es:

Beliebige Gegenstände, wie Bücher, CDs, Akten, Schachteln mit Kleinteilen, Medikamente, elektronische Teile wie Fernbedienungen, Netzteile usw. versehen Sie mit kleinen selbstklebenden Funketiketten, die Sie von einer Rolle abnehmen und halten einen Gegenstand dann an einen sog. RFID-Reader.

Tag It sagt Ihnen, dass es diesen Gegenstand nicht kennt und Sie können eine Bezeichnung per Tastatur eintippen. Das wars fürs erste.

Alle gekennzeichneten Gegenstände können Sie dann identifizieren, indem Sie entweder den Reader an die Gegenstände halten, oder die Gegenstände zum Reader bringen. Ihr Computer sagt Ihnen, worum es sich handelt.
Das Suchen funktioniert so:

Sie wollen die Schachtel mit dem Zubehör und der Bedienungsanleitung eines bestimmten Diktiergerätes finden. Sie tippen “Diktiergerät” ein. Tag It bietet Ihnen eine Liste an, wenn mehrere Diktiergeräte im System erfasst sind, und Sie wählen das gewünschte Gerät aus.

Danach fahren Sie mit dem RFID-reader vor dem Regal entlang. Tag It sagt Ihnen, wenn Sie fündig geworden sind, und Sie ziehen die Schachtel heraus.

Bevor wir nun zu den vielen Funktionen von Tag It kommen, wie dem selektiven Suchen, dem Modul für das Waschen von Kleidern und dem Zugriff auf beliebige Zusatzinformationen aus Volltextarchiven, wollen wir die Arbeitsweise der sog. Funketiketten bzw. “Tags” beschreiben.

Die Tags gibt es in vielen Formen. Sie können aussehen wie ein kleines Etikett in Briefmarkengröße, wie ein Chip, wie eine Kreditkarte oder wie ein nur wenige Millimeter langes ganz dünnes Röhrchen. Gemeinsam ist ihnen, dass Sie eine Spule enthalten und einen winzigen Chip.

Gerät der Tag in die Reichweite eines RFID-Readers, der ein elektromagnetisches Feld ausstrahlt, entsteht via Induktion in der Spule des Tags Strom. Dieser wiederum speist den Chip, der daraufhin aktiviert wird, und eine Identifikationsnummer und andere Daten funkt. Der RFID-Reader, der zugleich als Empfangsantenne fungiert nimmt diese Daten auf und leitet sie zum Rechner.

Im Rechner läuft eine komplexe Software, welche alle weiteren Prozesse steuert. Zwischen Reader und Tag muss im Gegensatz zu den Bar-Code-Etiketten keine Sichtverbindung bestehen. Der Reader findet Dokumente auch in Mappen und Aktenordnern.

Wie ist der Kostenfaktor? 

Je nach Bauweise sind Tags unterschiedlich teuer. Die Etiketten, die wir zu fast 100 % einsetzen, können wir an unsere Kunden für ca. 50 Cent weitergeben, da wir sie in sehr großen Mengen einkaufen.

Damit befinden sich diese Tags auf einem sehr niedrigen Preisniveau. Zudem werden die Tags nach und nach noch günstiger werden, da neue Produktionsverfahren auf Basis der Polymeer-Technik entwickelt werden.

Wie und in welchen Bereichen vermindert Tag It die Abhängigkeit Blinder von sehender Hilfe?

Mit Tag It können Sie Dokumente und Akten eigenständig auffinden. Sie tippen „Meldebescheinigung“ als Suchbegriff ein und fahren mit dem Reader über den Hängemappen einer Hängeregistratur entlang.

Aus Regalen und Schubladen fischen Sie gezielt all das heraus, was Sie gerade benötigen und müssen sich dabei nicht die Namen aller gefundenen Objekte vorlesen lassen. Tag It spricht wahlweise mit der Computerstimme oder gibt aufgenommene natürliche Sprache wieder.

Mit Tag It können Sie auf bestimmte Teilmengen von Gegenständen zugreifen. Die selektive Ansage erlaubt es Ihnen, nur Bücher, oder nur Schachteln anzusagen. Das beschleunigt den Zugriff erheblich. Wenn sich in einem Regal Fachbücher und Belletristik befindet, können Sie sich nur die Fachbücher ansagen lassen und wenn Sie es wünschen nur die Bücher zu einem bestimmten Gebiet.

Wenn Sie ein bestimmtes Kleinteil suchen, z.B. den Akku eines Handies, liest Ihnen Tag It nicht den kompletten Inhalt einer Schublade vor, sondern sagt Ihnen, wenn sich der Reader in der Nähe des Akkus befindet.

Kleinteile, wie Zusatzbirnchen, Befestigungsschräubchen und die vielen anderen Dinge, die Sie gerade noch kürzlich in den Fingern hatten, und jetzt sind sie leider wie vom Erdboden verschwunden, stecken Sie in Tüten, die wiederum mit einem RFID-Tag versehen sind.

Damit sind sie leicht auffindbar. Alles, was Sie dringend aufbewahren wollten, weil es zu etwas anderem gehörte, dann aber nur störend in der Gegend herumflog, können Sie schnell und effizient verwalten.

Tag It ruft Ihnen zu einem Medikament wahlweise den Beipackzettel aus einem askSam-Volltextarchiv auf. Oder ruft den eingescannten Text eines Buches auf, wenn Sie dieses an den Reader halten. Tag It listet Ihnen wahlweise die Akten eines Aktenordners auf und erlaubt auch den Zugriff auf den Text, wenn dieser bereits erfasst wurde.

Jeden Gegenstand kann Tag It mit beliebigen ComputerDaten verbinden, sei es ein askSam-Report, ein askSam-Dokument, eine Word-Datei, eine ExCel-Mappe oder eine Audioaufnahme, die dann startet, wenn Sie eine bestimmte CD an den Reader halten.

Mit Tag It können Sie die gute Hose von der nicht mehr so guten unterscheiden. Tag It erlaubt das Zusammenstellen von Kleidungskombinationen, wobei das, was zusammen passt, von einem Sehenden entschieden werden muss. Ist dies einmal geschehen, kann es Ihnen nicht mehr passieren, dass Sie wie ein Papagei gekleidet herumlaufen, weil Sie keine Kontrolle über das Aussehen der Kleidungsstücke hatten.

Tag It warnt Sie, wenn Sie versuchen, ein Kleidungsstück, das nur mit 40 Grad Buntwäsche hell gewaschen werden darf, mit 60 Grad Buntwäsche dunkel zu waschen. Alles was Sie dazu benöigen, ist ein Funklautsprecher, der in der Nähe der Waschmaschine steht.

Bevor Sie die Maschine befüllen, drücken Sie auf den Einschaltknopf des Funklautsprechers und hören damit die Sprachausgabe des PCs.

Tag It liest Ihnen die Kurzanleitung Ihres Faxgerätes vor, wenn Sie den Reader an das Faxgerät halten. Wenn Sie den Reader an eine Fernbedienung halten, gibt Ihnen Tag It Erläuterungen zu den wichtigsten Knöpfen.

Tag It versetzt Sie in die Lage von 10 Netzteilen, genau das richtige auszuwählen und nennt Ihnen den Typen der Tonerkartusche, die Ihr Drucker benötigt.

Ist TagIt erweiterbar? 

Wir haben Tag It von vornherein als System entwickelt, welches für beliebige Zusatzfunktionen offen ist. Vor und während der Entwicklungsphase war die Ideenflut bezüglich möglicher Anwendungen so überwältigend, dass jede Einschränkung von Funktionen inakzeptabel erschien.

Das Resultat ist ein System, welches sich in Ihre Datenbestände einklinken kann, seien es nun Volltextarchive, Datenbanken oder einfache Textsammlungen. Tag It ist damit ein Hilfsmittel für die Selbstorganisation im Haus und in der Wohnung und gleichzeitig ein System, welches die Verbindung mit beliebigen Büro-Anwendungen aufnehmen kann.

Mit den genannten Möglichkeiten eröffnet Tag It eine völlig neue Dimension der Unabhängigkeit Blinder von sehender Hilfe.

Wenn Sie Tag It einsetzen, kommen Sie ständig auf neue Ideen, wie Sie Tag It einsetzen können.

An Ihren Ideen und Anregungen sind wir sehr interessiert, da diese Ideen für die weitere Entwicklung entscheidend sein kann.

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen, zögern Sie nicht und kontaktieren Sie uns!

Dräger & Lienert,
Hilfsmittel für Blinde,
Stadtwaldstr. 62,
D 35037 Marburg,
Tel: 06421/165555


E_Mail: info [at] dlinfo.de

http://www.dlinfo.de